Karl Friedrich Schinkel - Werk

Der große Architekt hat Berlins Mitte und ganz Preußen geprägt

08.04.2008 Harald Rossa

Karl Friedrich Schinkel war Architekt und Maler. Sein Klassizismus prägte das Gesicht Preußens im 19. Jahrhundert. Und er bereitete die Neogotik vor.

Schinkel war der klassizistische Architekt in Preußen. Aber er war nicht nur Architekt und Baumeister. Innenarchitektur, Design und Malerei waren auch Gebiete, auf denen er sich hervortat.

Sein Lehrer Friedrich Gilly brachte ihm die Architektur der französische Revoluton nahe. Schinkel entwickelte eine klare Formensprache. Die ist eine Abkehr von den Fassaden des Barock. Dieser Stil entwickelt sich mit der preußischen Aufklärung.

Das 1762 erschienene Werk „The Antiquities of Athens“ lieferte die Grundlagen des Klassizismus. Die Autoren James Stuart und Nicholas Revett beschrieben hierin die Bauten der Antike sehr ausführlich. So konnten die Architekten des Klassizismus sich eng an den antiken Vorbildern orientieren.

Schinkels Bauten

Viele Bauten hat Schinkel in und um Berlin errichtet. Herausragende Bauwerke sind das Konzerthaus von 1821auf dem Gendarmenmarkt und das Alte Museum.

1825 entwarf er im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm III. die Normalkirche nach dem Vorbild der Kirche St. Nicolai in der Neuen Neustadt von Magdeburg. Der schlichte klassizistische Rundbogenbau wurde als Planungsgrundlage für viele Dorfkirchen verwendet.

Schinkel war nicht auf den Klassizismus beschränkt. Er nutze auch die gotische Formensprache und war so ein Pionier des Historismus. Dazu gehört das Schloss Ehrenburg in Coburg aus dem Jahr 1810 und die Friedrichswerderschen Kirche mit der Bauzeit 1824 bis 1830. Hier nutzte er gotische Formen und Klinker als Fassade.

Als richtungweisend wird das Gebäude der Berliner Bauakademie von 1832 bis 1835 mit ihrer Klinkerfassade bezeichnet.

Der Künstler Schinkel

Schinkel war auch ein talentierter Maler, Bühnenbildner, Innenarchitekt und Designer. Viele seiner Bilder beschäftigen sich mit Architekturaufgaben. In der Berliner Kunstausstellung von 1810 stellte Schinkel die Lithographie „Gotische Kathedrale hinter Bäumen“ aus. Seit 1811 war er Mitglied der Berliner Akademie der bildenden Künste. Sein Meisterwerk waren die Entwürfe für die Wandbilder im Alten Museum in Berlin, die eine Synthese aus gotischem und klassischem Stil zeigen.

Für zahlreiche Schlösser und Landsitze war Schinkel als Innenarchitekt tätig. Dabei entwarf er auch zahlreiche Möbel. Im Schloss Charlottenhof und im Neuen Pavillon sind noch Arbeiten von ihm erhalten. Er entwarf Gartenmöbel aus Gusseisen. Die werden teilweise noch heute hergestellt.

Schinkel gestaltete 1813 im Auftrag Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz für Preußen, das immer wieder zur Auszeichnung von Kriegsteilnehmern neu aufgelegt wurde. Dieses Symbol lebt in den Hoheitszeichen der Bundeswehr fort. Außerdem entwarf er den Luisenorden.

Der Theoretiker und Lehrer

Schinkel hat eine Fülle von Bauten entworfen. Aber er hat auch die Architektur durch seine theoretische Arbeit befruchtet. Viele seiner nicht ausgeführten Entwürfe befruchteten andere Baumeister. Seine „Sammlung architektonischer Entwürfe“, die er zwischen 1820 und 1837 herausbrachte, sind eine Quelle für seine Nachfolger. Und schließlich hat eine ganze Architektenschule bei ihm gelernt und sein Werk fortgesetzt. Vor allem die Namen Ludwig Persius und Friedrich August Stüler stehen für die Tradition Schinkels.

Ehrungen und Gedenken

Seit 1852 lobt der Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin jährlich den Schinkelpreis aus.

Auch die Werke Schinkels sind es, die das Zentrum Berlins zu einem Magnet für Touristen macht. So ist ihm sein Denkmal 1996, das von Friedrich Drake geschaffen wurde, wieder auf dem Schinkelplatz errichtet worden.

Im Jahr 1992 hat sich in seiner Heimatstadt Neuruppin die Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft gegründet.

Liste seiner Bauten

1800, Pomonatempel auf dem Pfingstberg in Potsdam

1802/03, Verwalter- und Molkenhaus auf dem Vorwerk Bärwinkel bei Neuhardenberg

1806, Schloss Owinsk in der Provinz Posen mit Ludwig Catel

1806, Schloss Rosenau in Coburg mit der Innenarchitektur

1810, Begräbnisstätte für Königin Luise im Schlosspark Charlottenburg

1810, Umbau von Schloss Ehrenburg in Coburg

1811, Luisen-Denkmal in Gransee

1815, Kirche in Glienicke bei Wittstock

1816; Denkmal an die Gefallenen der Befreiungskriege in Spandau

1817, Preußisches Denkmal der Schlacht bei Kulm in Böhmen

1818, Neue Wache in Berlin

1818, Schauspielhaus in Berlin auf dem Gendarmenmarkt

1819, Schlossbrücke in Berlin

1821, Nationaldenkmal für die Siege in den Befreiungskriegen auf dem Kreuzberg in Berlin

1821, Umgestaltung von Schloss Tegel für Wilhelm von Humboldt

1822, Umbau von Schloss Neuhardenberg für Karl August von Hardenberg

1823, Luisenkirche in Charlottenburg

1824, Jagdschloss Antonin in der Provinz Posen

1824, Altes Museum in Berlin am Lustgarten

1824, Kirche in Bischmisheim auf einem achteckige Grundriss

1824, Friedrichswerdersche Kirche in Berlin

1824, Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Voigtsdorf bei Habelschwerdt

1825, Neuer Pavillon in Schosspark Charlottenburg

1825, Neugestaltung von Schloss Glienicke

1826, Pavillon im Schlosspark Glienicke mit Ephraim Wolfgang Glasewaldt

1826, Alter Leuchtturm von Kap Arkona auf Rügen

1827, Elisenbrunnen in Aachen

1829, Schloss Charlottenhof in Potsdam

1830, Nikolaikirche in Potsdam

1830, Schweizerhaus auf der Pfaueninsel mit Schadow

1831, Altstädtische Hauptwache in Dresden

1831, Alexander Newski Kapelle in Peterhof

1831, Bauakademie in Berlin

1831, Klopstockdenkmal mit Tieck in der Parkanlage Brühl in Quedlinburg

1832, Rathaus in Kolberg

1832, Pfarrkirche in Straupitz/Spreewald

1832, Josephskreuz auf dem Auersberg in Stolberg im Harz

1833, Römische Bäder im Park Sanssouci

1833, Westfront der St. Johanniskirche in Zittau

1833, Gotische Kapelle in St. Petersburg

1834, Schloss Babelsberg

1834, Vier Berliner Vorstadtkirchen: St. Elisabeth (Mitte), Nazarethkirche (Wedding), St. Paul (Gesundbrunnen) und St. Johannis (Moabit).

1834, Jenisch-Haus in Hamburg mit Franz Gustav Forsmann

1835, Schloss Stolzenfels am Rhein bei Koblenz

1835, Kapelle bei Kastel-Staadt als Grabkapelle für König Johann von Luxemburg

1835, Schulgebäude in Kastel-Staadt

1836, Fassade für das Hauptgebäude der Universität Leipzig

1836, Mittelturm des Jagdschlosses Granitz, auf Rügen

1837, Gusseiserner Baldachin für das Gustav-Adolf-Denkmal in Lützen

1838, Mitwirkung an der Universität Oslo

1840, Rathaus in Zittau, Ausführung durch Ephraim Wolfgang Glasewaldt

1842, Dorfkirche Petzow mit Gustav Emil Prüfer

Mehr Information

Der Beitrag "Karl Friedrch Schinkel - Leben" schildert seinen Lebenslauf.

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